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Sage nicht Liebe, wenn du Leidenschaft meinst.
Bewahre dir das Wort für die Stunde,
in der sie dir wirklich begegnet,
und das ist vielleicht nur einmal im Leben.
von Annegret Kronenberg



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Jahrtag

Freitag morgen - 22.06.2007. Ich wache auf. Greife nach meinem Handy um nachzusehen wie spät es ist. 3 Anrufe in Abwesenheit. 2 mal mein Götte B. (Oma's Schwager) und einmal Oma's Pflegerin D. Jetzt ist halb 6 Uhr in der früh. Sie haben vor über einer Stunde angerufen. Ist was mit Oma passiert? Ihr geht es schon seit Monaten nicht gut. Sie ist einfach alt geworden. Demenz. Herz schwach. usw. Sie war die letzten Wochen immer wieder einige Tage zu Hause und einige Tage im Krankenhaus. Seit kurzem hat Schnell entscheide ich zu meiner Mutter hoch zu gehen. Ich komme in ihr Zimmer "Mama, Mama" Sie wacht auf. Ich sage "Hat dich auch B. angerufen?" Meine Mutter verschlafen: "Was ist passiert!?" Ich: "B. und D. haben mich angerufen in der Nacht, aber ich habs nicht gehört." Meine Mutter: "Waren die da?" Ich: "Nein angerufen haben sie. Wo ist dein Handy?" Mama erzählt mir, dass mitten in der Nacht jemand ganz lange und oft an der Tür geklingelt hat, und sie so große Angst hatte, dass sie nicht aufgemacht hat. Ich kapierte in diesem Moment gar nichts. Warum klingeln die beiden in der Nacht an unserer Tür. Sie haben kein Auto. Sind sie zu Fuß bis hier her gekommen, mitten in der Nacht? Unmöglich, mein alter Götte. Das passt doch alles nicht zusammen. Und warum habe ich mein Handy nicht gehört? Sonst wache ich auch auf, wenn ich Nachts ein sms bekomme... Ich frage mich vorwurfsvoll, warum ich genau in diesen Stunden weder Hausglocke noch Handy wahrgenommen habe. Meine Mutter rafft sich auf und ruft B. an. Ich höre B. am anderen Ende nicht. Aber als meine Mutter, irgendwie schockiert, aber doch so gefasst, sagt "Oh man, was muss ich jetzt tun. Wo muss ich jetzt hin. Muss ich wen anrufen. Mensch ich muss in einer Stunde arbeiten. Was muss ich jetzt alles vorbereiten?" da ist für mich klar, dass meine Oma gestorben ist. Mir rinnen einfach nur noch die Tränen übers Gesicht. Meine Mutter legt auf und sagt irgendwas wie: "Sie ist heute Nacht gestorben, im Krankenhaus. Ich muss jetzt schnell hin. Nachher muss ich arbeiten." Meine Mama zieht sich an und fährt los. Mir ist ganz komisch. Die letzten Tage war ich schon schlecht drauf. Jetzt kommt mal wieder alles zusammen. Um meine Mutter mache ich mir Sorgen. Sie hat es in letzter Zeit wirklich alles andere als leicht. Die letzten sechs Monate ist einfach so viel passiert. Ich hoffe, dass die zeite Jahreshälfte besser wird. An diesem Freitag bleibe ich zu Hause. Mir geht es echt scheiße und ich hab absolut kein Bock auf Schule. Ich versuche am Vormittag zu schlafen, mache den ganzen Tag eigentlich nichts, ein bisschen Internetsurfen am Nachmittag. Eigentlich ist es meiner oma gut gegangen. Sie ist friedlich eingeschlafen, musste nicht leiden. Einen schöneren Tod gibts ja wohl nicht. Es ging eh nur noch abwärts mit ihr. Doch, dass sie so schnell stirbt, damit hätte ich nicht gerechnet.
Montag Abend. Rosenkranz. Ich sitze in der Kirche. 2 Reihe. Ich denke kurz an die letzte Beerdigung, von meinem Opa. Dort ging es mir recht gut. Diesmal trauere ich wirklich. Ich sehe die Urne. Das Holzkreut mit ihrem Namen "A.-K. A. 01.02.1926 - 22.06.2007" Daneben ein Foto. Viele Blumen. Schöne Blumen. Warum eigentlich Blumen? Das frage ich mich heute das erste mal. Ich finde keine Antwort. Aber Blumen sind immer schön. Am Ende des Rosenkranzes gehen alle Menschen der Reihe nach nach vorne, geben das Weihwasser, machen ein Kreuzzeichen. Bei meinem Opa damals, sagte ein Mann "Zeawas Hans", das hat mich schockiert, aber irgendwie auch auf eine Art berührt. Bei meiner Oma sind viel mehr Trauernde. Sie hatte ein Gasthaus, war bekannt, hat eine relativ große Verwandtschaft. Ich beobachte die Menschen. Einer nach dem andern. Und bei einigen wundere ich mich, dass sie hier sind. Ich sehe viele Freunde von meiner Mutter. Sie hatten nichts mit meiner Oma zu tun. Doch sie sind gekommen. Zu meiner Verwunderung. Doch ich finde das nett. Plötzlich sehe ich meine Freundin C. mit A. Sie hat gesagt sie kann es nicht versprechen, dass sie kommt, aber A. hat sie schnell mit dem Auto geholt und sie sind extra wegen mir gekommen. Das berührt mich zutiefst. A. kennt keinen aus meiner Familie, nur mich. Und als ich dann auch noch meine Freundinnen N. u. K. sowie K.'s Mutter sehe, muss ich mich echt anstrengen, dass ich nicht losheule. Ich wusste gar nichts davon, dass sie kommen würden. Das hat mich so berührt, dass ich ganz viele Tränen in den Augen hatte.
Am nächsten Tag bei der Beerdigung sitze ich wieder in der Zweiten Reihe. Hinter meiner Mutter, neben meiner Taufgotta. Omas Lebenslauf wird vorgelesen. Sie hatte es nie leicht. Sie hat hart gearbeitet in ihrem Gasthaus. Sie war zwei mal verheiratet. Beide ihrer Männer sind früh getorben. Ich denke mir, wir sollten uns ein Beispiel nehmen. Sie hat immer gekämpft, war großzügig, hilfsbereit und stark. Ich denke an meine Kindheit. Damals hab ich so viel Zeit mit meiner Oma verbracht. Meine Schwester und ich waren fast täglich bei ihr, oder sie bei uns. Als meine Mutter arbeitete. So viele schöne Erinnerungen an die zeit damals. Sie war eine gute Oma. Hat immer unser Lieblingsessen gekocht, war mit uns spazieren, hatmit usn gespielt und uns Geschichten vorgelesen, hat uns ins Bett gebracht. Ich denke an die Ausflüge, nach Salzburg zu meinem Onkel, mit dem Schiff nach Lindau, mit dem Auto in den Bregenzerwald. Und der Autounfall vor einigen Jahren, den wir gemeinsam dank vielen Schutzengel überlebt haben. Ich reiße mich zusammen, weil ich nicht in aller Öffentlichkeit Weinen will. Ich hab ein Klos im Hals. Meine Augen sind randvoll mit Tränen. Ich bemühe mich, dass ich nicht voll losweinen muss. Meine Oma wird mir fehlen. Ja ein klein wenig auch die Oma der letzten Monate, die sehr anstrengend war. Aber vorallem, die Oma, die ich in den ersten 15 Jahren meines Lebens erleben durfte. Ich bin dankbar für die schöne Zeit mit ihr.
25.6.08 16:16
 


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